Tuesday Newsday 11/2014 - LMIV: Eine teure und gefährliche Verordnung


LMIV: Eine teure und gefährliche Verordnung

 

Die Kennzeichnungs- und Aufklärungspflichten für Versandapotheken erreichen einen neuen Grad des  Informationsirrsinns. Ab 13.12.2014 gilt eine neue Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV). Die Regelungen der LMIV für den Fernabsatz fordern, dass der Konsument beispielsweise im OnlineShop auf die gleichen Produktinformationen zugreifen können muss, wie beim Lesen des Etiketts im Supermarkt. Lebensmittelhersteller sind also angehalten, die Daten künftig am besten elektronisch mitzuliefern.

Davon betroffen sind auch Versandapotheken hinsichtlich ihres apothekenüblichen Lebensmittelsortiments. Sie sind ab diesem Stichtag verpflichtet, vor dem Kaufvertragsabschluss die vollständigen Pflichtinformationen ( u.a. das vollständige Zutatenverzeichnis und etwaige Allergene) über diätetische Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel, die über eine PZN verfügen und deren Daten automatisiert in die Apotheken-Webshops eingespielt werden, bereitzustellen. Dass heißt, dass Versandapotheken alle Informationen der in der Lauer-Taxe gelisteten Lebensmitteln, die auch auf dem Etikett des Produktes erscheinen, online anzeigen müssen. Das betrifft allein 21.904 im ABDA Artikelstamm gelistete Nahrungsergänzungsmittel.

Damit droht den Versandapotheken eine nicht zu unterschätzende Haftungsfalle. Denn sobald die Verordnung gültig ist, wird der Austausch und die Aktualisierung der Fülle der Informationen manuell nicht zu bewerkstelligen sein. Und nach unseren Informationen wird die ABDATA die entsprechenden Informationen nicht zur Verfügung stellen. Auch auf die Lauer-Taxe werden die Apotheker nicht zurückgreifen können, da sie unseren Informationen zufolge die notwendigen Daten zum jetzigen Zeitpunkt  nicht anbieten. Im Moment ist auch noch völlig unklar, ob überhaupt und inwieweit die Hersteller der betroffenen Produkte  die Informationen rechtzeitig elektronisch zur Verfügung stellen werden. Alle Hersteller anzuschreiben, um die Informationen einzusammeln und unseren Kunden entsprechend aufbereitet zur Verfügung zu stellen, ist von uns nicht zu leisten. 

Wenn Sie, liebe Apotheker, keine eigene Lösung entwickelt haben und sich bis zum Stichtag kein externer Dienstleister findet, der die nötige Datenflut bändigt und aufbereitet, werden wir die betreffenden Produkte zum 13. Dezember 2014 in unserer Datenbank deaktivieren müssen, um Sie vor teuren Abmahnungen zu schützen. Denn die üblichen Abmahner reiben sich ob dieser neuen Einnahmequelle bereits die Hände. Andererseits bedeutet gerade die Auslistung der Nahrungsergänzungsmittel, die rund 12 Prozent des Umsatzes der Versandapotheken ausmachen, einen herben Umsatzeinbruch. Aber selbst wenn ein externer Dienstleister die Daten rechtzeitig zur Verfügung stellt, dürfte dies nicht aus reiner Menschenliebe geschehen.

Gegenwärtig arbeiten wir mit Hochdruck an einer praktikablen Lösung. Die Suchmaschine für Medikamenten-Beipackzettel „gebrauchs.info“ hat damit begonnen, die Beipackzettel der Nahrungsergänzungsmittel einzuscannen und entsprechend aufzubereiten, damit die vom LMIV geforderten Informationen über eine von uns zur Verfügung gestellten Schnittstelle in Ihre ApothekenShops eingepflegt werden können. Der Preis für diesen Dienst wird voraussichtlich zwischen 40 bis 70 Euro pro Monat liegen    

Einmal mehr haben damit die Technokraten in Brüssel durch falsch verstandenen Verbraucherschutz dem Online-Handel und speziell den Online-Apotheken einen Bärendienst erwiesen. 




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